Der Hammer
“Hammerwetter”, “13. Mai schreibt Segelfluggeschichte”, “denkwürdiges Ereignis”, mit Superlativen wird nicht gegeizt. Tatsächlich waren selten so viele Segelflieger, weit über 2.000, gleichzeitig in ganz Deutschland unterwegs wie am vergangenen Sonntag. 30 davon knackten sogar die magischen 1.000 km im Streckenflug.
Und es war wieder einmal Bundesligawochenende, d.h. die Piloten waren zusätzlich zum eigenen Vergnügen auch noch in Sachen Wettbewerb unterwegs. Einer unsere Ligapiloten erlebte den Tag wie folgt.
2. Segelflug-Bundesliga: Runde 4
Leider konnte ich familiär bedingt erst um 09:30 damit beginnen meinen Flieger, die ASH 25, aufzubauen. Kurz nach 11:00 Uhr dann der Windenstart. Stefan Reuter unser Jugendreferent war mein Copilot. Aus der Winde ging es zügig raus trotz der hohen Flächenbelastung, da die ASH mit Wasser befüllt war – ein absolutes Muss bei dieser Wetterlage. Frank mit seiner ASW 22 und Sascha mit der ASW 20 waren schon eine gute Stunde früher gestartet. Nach kurzer Kontaktaufnahme per Funk, erfuhren wir, dass sie in Richtung Schwäbische Alb unterwegs waren. Nach dem Erreichen der maximalen Höhe über Bamberg flogen wir also zügig mit Südwestkurs ab. Nicht lange ließen die Lufträume um Nürnberg auf sich warten. Wo standen die besten Wolken? Natürlich innerhalb dieser Lufträume! Doch es wurde ein Weg daran vorbei gefunden und schnell ging es unter der TMZ (Transponder Madatory Zone) hindurch. Bei Ansbach waren schließlich alle Lufträume hinter uns und wir konnten das erste Mal die volle Basishöhe ausnutzen. Fast durchgängig im Geradeaus-Flug ging es Richtung Heilbronn, wo wir uns mit Frank verabredet hatten. Um Heilbronn herum liefen die Wolken auseinander, so dass die bisher guten Schnittgeschwindigkeiten nicht zu halten waren. Wir flogen weiter an Ulm vorbei nach Blaubeuren und darüber hinaus, wobei wir Frank dann verfehlten. Kurz umgedreht,, schon hatten wir uns in Sicht und konnten nun den Flug gemeinsam Richtung Osten fortsetzen, was wir auch wieder mit hoher Geschwindigkeit taten. Nächster Wendepunkt war der Bayrische Wald. Wir erreichten ihn, indem wir nördlich an Ingolstadt vorbei, über Regensburg unter den Lufträumen durchtauchten. Die erste Überlegung, weiter Richtung Passau zu fliegen um das Dreieck noch größer zu machen wurden dann bei Deggendorf verworfen, da wir auf jeden Fall wieder nach Hause wollten und keine Lust auf eine Außenlandung hatten. Wir folgten den Ausläufern des Bayrischen Waldes mit nordwestlichem Kurs Richtung Bayreuth. Trotz des Gegenwindes konnten wir eine Schnittgeschwindigkeit von über 100 km/h halten. Allerdings wurden wir immer öfter, wie Frank es ausdrückte, zur „Bodenakrobatik“ gezwungen. Das meint wir mussten über weite Strecken gleiten und immer wieder sehr Bodennah in die Thermik einsteigen, was natürlich sehr viel Nerven kostete. Wir waren ja jetzt immerhin schon ca. 7 Stunden in der Luft. Nach Auskunft von anderen Segelfliegern war der Thüringer Wald, den wir jetzt ansteuerten thermisch nicht sehr gut, deshalb hielten wir uns südlich davon und flogen Richtung Westen weiter. Die Thermik wurde immer schwächer, so dass wir kurz vor der Rhön dann endgültig kehrt machten und nach Hause flogen. In Bamberg angekommen waren wir dann doch noch so hoch, dass wir doch noch ein paar Kilometer weiter fliegen konnten und so, nach unserer Landung, das Navi über 810 km anzeigte. Bei Frank waren es sogar weit über 900 km. Es war die Stunde, die er am Morgen früher gestartet war. Wir hatten wirklich einen sehr schönen, wenn auch kalten Tag und die Umweltbilanz kann sich auch sehen lassen, mit etwa 0,6 l Diesel für den Windenstart haben wir über 800 km zurückgelegt, das sind im Schnitt 0,075l auf 100km – das soll uns mal einer nachmachen.
HS
Das Katapult
Trotz hervorragender Ergebnisse unserer in Bamberg gestarteten Piloten, fanden wir uns am Sonntag abend nur im Mittelfeld der Rundenwertung wieder. Bei gutem Wetter ist die Konkurrenz eben auch immer sehr groß und wir befürchteten schon in der Gesamtwertung weiter nach unten zu sacken. Aber wir hatten noch ein As im Ärmel. Unser Hans Jürgen, der sich gerade beim Wettbewerb auf der Hanhweide befindet. Er erflog auf der Strecke Hahnweide-Sonneberg-Cham-Hahnweide eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 117 136 km/h*, hob uns somit auf Platz 5 der Rundenwertung und katapultierte uns auf Platz 3 der Tabelle.
* [17.05.2012]: Hier wurden ursprünglich Geschwindigkeit mit Punkten verwechselt.